Sonntag, 16. November 2008

Sensationslust und der Gipfel der Dekadenz

Als vor einigen Tagen der Brandmelder unser nettes Zusammensein störte, nur weil Familie X unter uns irgendetwas ordentlich durchbriet zögerte ich nicht in bäuerlicher Manier die Batterien rauszureißen, um dem garstigen Fiepen ein Ende zu bereiten.
Auch heute fiepte es wieder. Zur Mittagszeit. Familie X? Ich hatte einfach das Vertrauen verloren und gab nichts mehr auf das Alarmsignal. Auf dem Weg, den Schraubenzieher in der Hand, fest entschlossen dem Störenfried ein für alle mal das Handwerk zu legen, roch ich Kokelei und Feuerwehrpersonal kam mir entgegen.



Plötzlich waren sie überall.





Theresa hat Vorgestern eine Versicherung für unsere Wohnung abgeschlossen. Ein Tag vor dem Ende der einjährigen Aktion.



Wahrscheinlich liegt es an meinem fehlenden Verständnis, aber die Feuerwehrmänner schienen irgendwie neben sich zu stehen. Na ja es war ja auch Sonntag. Einmal hat es fast einen ausgehebelt, als im Galopp der Schlauch auf seiner Schulter sein Ende erreichte. Ein anderer sah beim erklimmen der Leiter aus, wie diese Möwen die versuchen sich aus dem Ölteppich zu befreien. Vielleicht ist die Ausrüstung einfach zu schwer.Es war die Wohnung am anderen Ende des Ganges. Keiner ist zu körperlichem Schaden gekommen und die Unfallstelle ward binnen 4h geräumt.

Doch wer war diese Frau?



Während die Katastrophe also ihren grauenvollen Höhepunkt hinter sich hatte, war es Zeit für ein Picknick an der Seine. Elise ist Bäckerin. Sie nimmt sich abends das, was die Kunden am Tage nicht kauften und verschenkt es an sich und Bedürftige. Uns zum Beispiel.



Das war lecker. Und zugehörig zu jedem dekadenten Fressen, ist das Übelkeitsgefühl, was uns noch immer begleitet. Wir waren eine Touristenattraktion.




Zum Glück hatten wir beide unsere Sonntagsmäntel an.haach,
die wir uns kauften um hier nicht aufzufallen und vielleicht auch ein wenig im Wahn. ähemmm



Das kann so nicht weitergehen?

Wir waren auch im Zirkus. Leider hab ich alle Bilder gelöscht. Aber toll war’s. Hehe.

Freitag, 31. Oktober 2008

party, schnäuzer und barock

yuhuu...

also premierement möchte ich mich für euer reges interesse an meinem leben und die vielen netten kommentare bedanken. wie ihr seht hab ich schon 6 regelmäßige leser, das sind mehr ...als 5.

sodann heute, unsere einweihungsparty
hier


und hier


es war sehr angenehm.
oben seht ihr meinen vormieter simon (links), der uns sehr geholfen hat. bei dem mietvertrag, dem wohngeldantrag, der stereoanlage, der gas-und stromanbieter, dem internetzugang und so weiter. in der rechten bildhälfte dann jef (oder jean francois) mein mitbewohner in malakoff. ein sehr netter mensch, den ich ob seines pariser nuschelns kaum verstehe und oft freundlich aber immer noch außer bilde anlächle.
unten seht ihr bob. dem wohl mein baguett nicht schmeckt, oder der vodka fehlt.

es gab leckereien wie kürbissuppe mit koksgeschmack kokosgeschmack und feige und käse und salat und baguette und jede menge wein. leider nicht unsere nachbarn, die eine spontane einladung dankend annahmen, den entscheidenden schritt jedoch vermieden.

nächsten morgen gab es frühstück an einer selbstgebauten tafel. bob half sehr beim decken dieser.


oui, der bob war schon zu besuch, was mich höchst erfreute. nehmt euch ein beispiel. er hat auch tolle dinge mitgebracht, nehmt euch ein beispiel. wir machten stadtspaziergänge, tranken rotwein unterm eiffelturm, besuchten museen und mich in versailles, aßen couscous gratuit in der freitagsbar, die couscous gratuit zum getränk reicht und und und. aber seht selbst:

im museum





bob, hilfsbereit wie immer, fotografiert passanten auf deren wunsch.


tja, das war diesmal nicht so farbenfrohes bildmaterial, es liegt am wetter. es wird nämlich langsam eklig nass und kalt. so langsam bricht die schöne triste zeit an, mit friedhofsbesuchen und drinnenbeschäftigung.

ich hab damit schon angefangen und interessiere mich plötzlich für ein längst vergangenes schönheitsideal.




und ich lass mir einen wachsen

Sonntag, 26. Oktober 2008

marche aux puces

nicht umsonst bin ich in den norden gezogen.
nicht umsonst fahr ich 1h bis nach versailles und wieder zurück und
nicht umsonst ist alles was sich so finden lässt, auf dem europa- ach was welt- vielleicht sogar kosmosweit größten flohmarkt von paris

ich brauch nur 10 minuten zu fuß bis dahin, raus aus dem sicheren paris, die schwelle des bösen überschreiten ...saint ouen.
banlieu. ein platz für die mafia. fixer, huren, dealer. der abschaum trifft sich hier um sich gegenseitig vollzukotzen, abzuschlachten und zu verkaufen.
deshalb ist das auch nicht mehr paris, was außerhalb des rings liegt. nicht mehr schick, nicht mehr romantique. wie die bilder beweisen:

betrunkene, zerschossene. liegen auf der straße. kennen keine gnade, kein mitleid. vertreiben ihresgleichen aus der wärmenden mitte.


keiner weiß, was sie aus ihren plastikbeuteln heraus an unsere kinder verteilen. den tod geladen. ein freundliches lächeln. das messer in der hand


hausnummer 38. was verbirgt sich hinter dieser tür?


in seinem gitarrenkoffer ist kein platz mehr für die alte klampfe


eingesperrt. ohne abendbrot ins bett. die kinder der verwahrlosten


szenen der sklaverei und des menschenhandels


das grauen hat ein gesicht.

la maison

bonjour bonjour,

und damit die heimat ein teil von hier wird und oder umgekehrt werden ab jetzt alle meine berichte über das lustige städtchen und mich gebloggt. roberval4 ist die straße in der ich wohn: also als erste blog-tat: wohnung und umfeld von draußen nach drinnen:


rue roberval. backsteingebäude

wohnungstür geradezu altrosa

flur mit nonne und bad hinterm spiegel

die geheime dusche. ort für hygiene und konspirative unterredungen

hätte die nacht zuviel licht und der tag zuviel schatten wäre das zimmer auch nicht anders

tims kühlschrank stinkt nach ziegenkäse und bier gibts och keens

----------------------------------------------kacken-----

mit blick auf die rue roberval


so, das war es erstmal für den anfang. schönen sonntag noch und merci pour votre visit